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Hans Andersen Brendekilde – Dänemarks Sozialrealist

Die Popularität Brendekildes ist nicht nur auf seine sozialrealistischen Gemälde, sondern ebenso auf seine Plastiken aus Glas, Kupfer und Keramik zurückzuführen. Handwerklich sehr begabt, leistete er einen entscheidenden Beitrag zur Revolutionierung des skandinavischen Designverständnis. Bereits in seiner Kindheit fertigte er eigene Bilderrahmen an, die Elemente der Gemälde aufnahmen und somit farblich miteiander verschmolzen. Dadurch revolutierterte er auch die Rahmung von Kunstwerken.

Leben & Ausbildung

Brendekilde wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und begann mit 14 Jahren eine Ausbildung zum Zimmermann wie auch Steinmetz. Nach einem mehrmonatigen Vorbereitungskurs 1877 für die Königlich Dänische Kunstakademie bei Oluf August Hermannsen zum Blumenmaler, fing er ein Studium der Bildhauerei und später auch Malerei an der Akademie an. 1882 – ein Jahr nach seinem Abschluss – debütierte er auf der Charlottenborger Herbstausstellung. Der als Hans Andersen geborene Maler änderte 1884 seinen Nachnamen in den Ortsnamen seines Geburtsdorfes, um jegliche Verwechslung mit dem entfernt verwandten dänischen Dichter Hans Christian Andersen zu vermeiden. Von 1885 – 1907 arbeitete Brendekilde in der Töpferei von Hermann A. Kähler und fertigte Plastiken aus Keramik und Glas an. Obgleich er bereits seit seiner Kindheit Bilderrahmen schnitzte, verwendete er erst ab 1888 seine eigens angefertigten Rahmen für seine Gemälde. Zwischen 1889 – 1890 begab er sich auf eine durch die Akademie geförderte Studienreise nach Deutschland, Frankreich, Italien, Ägypten, Syrien und in die Niederlande. Wenig später in den Jahren 1894 – 1895 bereiste er erneut Deutschland und Italien. 1901 – 1904 arbeitete er für das Fyens Glasværk. Seine letzten Studienreisen führten ihn zwischen 1908 – 1909 wie auch 1922 – 1923 nach Italien.

Hans Andersen Brendekilde

  • * 07.04.1857 (in Odense) – † 30.03.1943 (in Jyllinge)
  • 1871 – 1874 Ausbildung zum Zimmermann und Steinmetz bei Wilhelm Hansen in Odense
  • 1877 Unterricht bei O. A. Hermannsen zum Blumenmaler
  • 1877 – 1881 Studium der Bildhauerei und Malerei an der Königlich Dänischen Kunstakademie
  • 1882 Debüt auf der Charlottenborger Herbstausstellung
  • 1883 – 1885 regelmäßiger Aufenthalt in der Kunstkolonie Raagelund
  • 1884 Namensänderung in den Ortsnamen seines Geburtsdorfes Brendekilde
  • 1885 – 1907 Werkstattarbeiten in der Töpferei von Hermann A. Kähler
  • Ab 1888 Anfertigung eigener Rahmen
  • 1889 Teilnahme an der Weltausstellung in Paris und Illustration des Buches Nissen von Vilhelm Bergsøes
  • 1889 – 1890 Studienreise nach Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande
  • 1893 Teilnahme an der Weltausstellung in Chicago
  • 1894 Illustration des Buches die Nachtwache von Henrik Pontoppidan
  • 1894 – 1895 Studienreise nach Deutschland und Italien
  • 1901 – 1904 Anstellung bei Fyens Glasværk
  • 1908 – 1909 Studienreise nach Italien
  • seit 1918 Rückzug nach Jyllinge
  • 1922 – 1923 Studienreise nach Italien

Arbeiten & Werke

Ab 1883 besuchte er regelmäßig die Kunstkolonie Raagelund und lernte dort H. P. Carlsen, Søren Lund und Julius Paulsen kennen. Brendekilde arbeitete ab 1903 im Holckenhus – einer Ateliervereinigung – in dem er gemeinsam mit Peter Severin wie auch Marie Krøyer und Kristian Zahrtmann arbeitete. Diese wie auch weitere Kunstschaffende inspirierten ihn bei der Imagination seiner Kunstwerke.

Neben seiner bildhauerischen Tätigkeit stellte er in der Töpferei von Hermann A. Kähler, auch kunsthandwerkliche Fliesen und Keramikwaren zum Verkauf her. Außerdem illustrierte er mehrere Bücher. Die Wahrnehmung Brendekildes wurde im großen Maße durch seine Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen geprägt, sodass er sich in seinen Gemälden sozialrealistischer Motive bediente. Er stellte auf dokumentarische Art und Weise das Landleben der bäuerlichen Bevölkerung und die erschwerten Lebensbedingungen dieser malerisch dar. Heute gilt er als wichtiger Maler von bäuerlichen Kinderszenen. Einige seiner Werke weisen zudem einen religiösen Unterton auf.

Museen & Auszeichnungen

Brendekilde gewann neben mehreren Medaillen wie auch Auszeichnungen, ebenso Akademie Stipendien und Förderungen durch die Raben-Levetzau-, Anker- und Hielmstierne- Rosencrone-Stiftung. Auf der Weltausstellung 1889 und 1893 wurde er jeweils durch eine Medaille prämiert und erhielt im selben Jahr die Eckersberg-Medaille. 1896 gewann er außerdem den Eibeschütz-Preis.

  • Statens Museum for Kunst, Dänemark
  • Fyns Kunstmuseum, Dänemark
  • Kunsten Museum of Modern Art Aalborg, Dänemark
  • ARoS Aarhus Kunstmuseum, Dänemark
  • Ribe Kunstmuseum, Dänemark
  • Næstved Museum, Dänemark
  • Vejen Art Museum, Dänemark
  • Skovgaard Museum, Dänemark
  • Bornholms Kunstmuseum, Dänemark
  • Brandts Kunstmuseum Odense, Dänemark
  • National Museum Oslo, Norwegen
  • Göteborgs Kunstmuseum, Schweden
  • Dahesh Museum of Art, USA
  • … und viele andere

Ausgewählte Literatur

Nachfolgend haben wir ein paar ausgewählte Links und Bücher aufgeführt, die uns bei der Arbeit und Recherche meistens weiterhelfen. In unserer Bibliothek haben wir nachfolgende Bücher (einige antiquarisch), die wir als erste Informationsquelle schätzen.

Brendekilde – Liv og værk

Anne Christiansen
Gads Forlag, 2021
ISBN 9788712065807
424 Seiten

Brendekildes billedverden

Gertrud Hvidberg-Hansen
Odenens Bys Museer, 2001
ISBN 8778386276
120 Seiten

H.A. Brendekilde – Værk og betydning i dansk kunst

Ralph Sonne
Multivers, 2018
ISBN 9788779176249
240 Seiten

Ehemals bei RIECK

Hans A. Brendekilde gehört zu den Künstlern, die wir sehr schätzen und mit ausgewählten Werken immer wieder in der Galerie zeigen. Besonders seine Studien und impressionistischen Genre- und Landschaftsszenen interessieren uns. Wir freuen uns, dass wir schon viele dieser Arbeiten an Sammler und Freunde der skandinavischen Kunst vermitteln konnten.

Hans Andersen Brendekilde
Frau mit Kuh

Hans Andersen Brendekilde
Kahn am Flussufer